Der Herbst zeigt uns wie schön es ist loszulassen...

Ja, es ist so schön wenn im Herbst die Blätter fallen. In diesem Herbst fällt es mir besonders auf...man spürt wie sich die Natur auf die winterliche Ruhe vorbereitet - wie sie Altes fallen lässt, sich in sich kehrt um sich auf Neues vorzubereiten.

 

Für die Natur scheint das ein ganz selbstverständlicher und entspannter Prozess zu sein, weil sie es in ihrem eigenen Tempo tun darf.......weil in der Natur einfach alles miteinander verbunden ist. Sie setzt sich nicht unter Druck oder sperrt sich dagegen. Denn sie weiss, dass sie so Platz für Neues schafft.

 

Loslassen - das tönt so einfach, ist es aber für uns oft nicht. Kennst du das.....wenn man dir sagt, lass doch jetzt endlich mal los!? Oder wenn man merkt, dass es besser wäre loszulassen.....man hält aber noch am Alten fest aus Angst vor dem Neuen, obwohl man weiss, dass es so nicht fliessen kann? Vielleicht ist man selber aber manchmal auch gar noch nicht bereit dazu, weil man noch etwas Zeit braucht sich mit dem Gedanken anzufreunden und die Gefühle zuzulassen, lässt sich aber von Aussen beeinflussen oder unter Druck setzen?

 

Es sind individuelle und unterschiedlich lange Prozesse - zum Beispiel wenn jemand aus unserem Leben geht oder wenn wir uns für eine andere Option und damit auch für einen neuen Weg entscheiden. Oder wenn die Kinder grösser werden. Das Loslassen passiert nicht einfach von heute auf morgen, es ist ein Prozess. Vielleicht sollten wir uns bewusst machen, dass wir alle unterschiedlich lange brauchen um loszulassen. Und damit mit uns selbst, wie auch mit anderen etwas geduldiger,verständnisvoller und toleranter werden. Manchmal setzen wir uns nämlich auch beim Loslassen ganz schön selber unter Druck.

 

"Das ganze Leben üben wir immer wieder das Loslassen um uns aufs Ende vorzubereiten", sagte mal jemand zu mir. Dieser Satz ist mir geblieben und kommt mir immer wieder in den Sinn, wenn sich wieder eine neue Phase des Loslassens ankündigt.

 

Schon einige Male haben wir es geübt, meine Jungs und ich. Aber ich sperre mich im ersten Moment manchmal immer noch und bin dann weit davon entfernt schnell und entspannt loszulassen. 

 

Ich erinnere mich an so viele schöne Momente mit ihnen - wir standen im Fussballtor, haben auf Spielplätzen Schaukeln angestossen, bei jedem Wetter sind wir im Wald spaziert, in Pfützen gesprungen, stundenlang im Sandkasten gehockt, Kürbisse geschnitzt, im Schnee gespielt und geschlittelt, Geschichten, Witze und Samichlausverse erzählt und Gutenachtlieder (am meisten s'Hippiegschpängstli;-)) gesungen. Ich erinnere mich an kleine Händchen, die nach mir gegriffen haben und an kalte Füsschen unter der Decke...und an so vieles mehr. Ich habe aber auch weniger schöne Erinnerungen, zum Beispiel an die vielen schlaflosen Nächte und damit auch die Ueberforderung, meine Aengste und die Aengste meiner Kinder. All das gehört dazu - aber oft habe ich mir in dieser Zeit gewünscht, dass diese anstrengende Phase bald vorbei sein möge. Und deshalb frage ich mich heute manchmal, ob ich die schönen Momente wirklich auch genug wertgeschätzt habe.

 

Im Loslassen haben wir uns geübt - in Spielgruppe, Kindergarten und Schule. Und ich habe bitterlich geweint, an dem Tag als mein Kleinster in den Kindergarten kam und ich mir, alleine zu Hause, im ersten Moment völlig verloren vorkam...

 

Und ganz plötzlich versteht man dann die coolen Begriffe nicht mehr. Die Augen werden verdreht wenn die uncoole Mutter mal wieder etwas nicht versteht oder herumnörgelt. Gamen und Freunde haben oberste Priorität. Die Zeichen mehren sich, dass bald wieder Loslassen im ganz grossen Sinne ansteht. Und man fragt sich: Wo ist nur die Zeit hin?

 

Ich weiss, dass leben in der Vergangenheit und in der Zukunft nichts bringt, sondern einzig und allein im Jetzt. Das Gefühl der Wehmut und Gedanken an Vergangenes zuzulassen, gehört für mich im Losslassprozess aber auch dazu. Wichtig ist, dass man dort nicht hängen bleibt und wieder ins Jetzt zurückkehrt.

 

Die Zeiten ändern sich. Gemeinsame Zeit mit meinen Kindern ist etwas, das ich mir selbst noch sehr wünsche - sie aber nicht mehr immer so sehr. Und manchmal denke ich oder sage es auch: nein! Das kannst du doch jetzt nicht so machen oder du musst das doch anders machen. Ich bin dran zu lernen und zu akzeptieren, dass sie aus ihren Erfahrungen lernen dürfen und dass das Leben seinen eigenen Plan für sie hat. Da kann ich nur begleitend und unterstützend für sie da sein.

 

Im Bewusstsein, dass es gut ist loszulassen, in meinem eigenen Tempo, lasse ich den Gedanken los "immer schnell und sofort loslassen zu müssen" und bringe mir mehr Geduld und Verständnis entgegen in meinen "Loslassprozessen"...

 

Affirmation:  "Ich bin im hier und jetzt und höre auf mein Herz. Ich lasse los, wenn ich spüre, dass es Zeit ist - in meinem eigenen Tempo und ohne Druck."